Kein Mensch beschäftigt sich gern mit Dateiformaten. Aber gelegentlich führt kein Weg daran vorbei. Zum Beispiel, wenn das frisch gekaufte eBook nicht auf den eigenen eBook-Reader passt. Kann man da nichts machen? Doch, kann man. Wir erklären kurz, welche Formate es gibt, wie man sie umwandelt, und was man dabei beachten muss.

Die großen Zwei

Die Liste der eBook-Formate ist lang. Die Liste der wirklich wichtigen ist aber Gott sei Dank sehr kurz. Fangen wir damit an:

EPUB ist bei fast allen Geräten und Händlern der de-facto-Standard. Das EPUB-Format erlaubt inzwischen auch ansprechende, multimediale Gestaltung, lässt sich sogar recht einfach nachbearbeiten. Allerdings ist EPUB nicht gleich EPUB: In der einfachen, editierbaren Form findet man es nur in freien eBook-Datenbanken, etwa der vom Projekt Gutenberg. Kommerziell verkaufte haben dagegen oft einen Kopierschutz an Bord, der nach dem englischen Begriff „Digital Rights Management“ als „DRM“ abgekürzt wird. EPUB-Dateien haben in aller Regel eine DRM-Lösung von der Firma Adobe. Eine entsprechende Software von Adobe regelt, auf welchen Geräten das Buch gelesen werden darf – und schiebt ab einer bestimmten Zahl einen Riegel vor.

AZW ist das aktuelle Dateiformat für eBooks von Amazon. Es bietet keine wirklich wichtigen Unterschiede zu EPUB. Aber AZW-Dateien lassen sich nur mit Kindle-Geräten oder mit Kindle-Software darstellen. Früher ein Standard war das Amazon-Format MOBI, das ebenfalls eng mit Kindle-Readern verknüpft ist. In Zukunft spielt Amazons neues KF8-Format eine Rolle, mit dem mehr multimediale Darstellungen, gerade auch auf Tablets, möglich werden.

Viele kleine Formate

Sind das schon alle Formate? Längst nicht. Aber für die meisten Leser sind es alle, die je eine Rolle spielen werden. Hier noch ein kurzer Überblick über die wichtigsten Außenseiter:

PDF ist ein immer noch populäres Format. Es kommt aber selten für normale eBooks zum Einsatz. Es verwendet ein festes Layout, das natürlich auch auf eine bestimmte Seitengröße ausgelegt ist. Die meisten PDF-Dateien sind für DIN A4 formatiert. Das ist gut zum Ausdrucken, aber stellt man sie auf einem kleineren eReader dar, lässt sich der Text meist nicht mehr gut lesen.

TXT und RTF sind zwei uralte Dateiformate für Textdokumente. TXT erlaubt gar keine Formatierungen, RTF immerhin einige wenige. Beide lassen sich in aller Regel problemlos öffnen – viele sonst übliche Annehmlichkeiten sind aber Fehlanzeige. Navigierbare Inhaltsverzeichnisse lassen sich in diesen Formaten etwa nicht einbauen. Einen entscheidenden Vorteil haben TXT und RTF allerdings: Sie sind so alt und so einfach codiert, dass man sie bestimmt auch in Jahrzehnten noch öffnen kann – und das ist bei vielen anderen Dateiformaten unsicher.

Ein anderes Kaliber

Falls einmal ein eBook nur im falschen Format vorliegt, oder falls man sich beim Kauf vertan hat, ist das noch kein Grund zur Panik. Man kann die Formate auch umwandeln. Natürlich ist es dann mit dem großen Komfort vorbei. Konvertieren kann man nur am PC, und man muss dafür ein geeignetes Programm herunterladen.

calibre eBook-Software

© Kovid Goyal – calibre eBook-Software

Die Gratis-Software Calibre ist so etwas wie der Quasi-Standard für solche Aufgaben. Sie ist ohnehin einen Blick wert: Mit ihr kann man nicht nur das Format umwandeln, sondern auch kleine Änderungen vornehmen – etwa ein Inhaltsverzeichnis von Hand anlegen, oder ein Titelbild ändern. Mit passenden Plugins kann Calibre auch praktisch jedes relevante Format lesen und in jedes andere übertragen. Sogar für Bücher mit dem nervigen DRM-Kopierschutz gibt es Plugins.

Was ist erlaubt?

Augenblick! Darf man Bücher mit DRM-Schutz überhaupt umwandeln? Verkäufer und Verlage werden das natürlich verneinen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Natürlich ist es verboten, Kopien des eigenen eBooks weiter zu geben. Beim Entfernen des Schutzes für die persönliche Verwendung ist die Rechtslage dagegen deutlich unklarer.

Die Entfernung von DRM ist allerdings auch verblüffend einfach. Der Standard bei EPUB ist eine Lösung von Adobe – und Leser müssen beim Kauf per PC dann tatsächlich eine Software des Herstellers herunterladen, um die Bücher auf bestimmten Geräten anzumelden. Wie so oft beim Thema DRM ergibt das eine ärgerliche Schieflage: Wer sich brav an die offiziellen Regeln hält, muss den Extraschritt gehen, wer dagegen in Windeseile den Kopierschutz entfernt, kann einfach und auf jedem Gerät loslesen.

Gleich das richtige

Wann immer es möglich ist, sollten eBook-Kunden also vor dem Kauf schauen, ob das Format auch wirklich zum Reader passt. Das ist in aller Regel sehr einfach: EPUB-Formate aus fast allen Onlineshops für die meisten Reader, Amazon-Formate für den Kindle in all seinen Varianten. Alle anderen Formate spielen nur selten überhaupt eine Rolle. Und wer die Bücher gleich auf dem Reader seiner Wahl kauft, der muss sich auch um DRM keine Gedanken machen – denn dann wird das Buch gleich auf dem richtigen Reader angemeldet.

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